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Weltbank verbessert Ranking: ‘lower middle-income’ für Tansania

Die Weltbank hat den Entwicklungsstatus Tansanias auf “niedrigeres mittleres Einkommen” heraufgestuft. Das belegt nicht nur den Erfolg der Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre. Auch zukünftig wird mit besseren Bedingungen für die Darlehensaufnahme und zunehmenden ausländischen Investitionen gerechnet.

Im Jahr 2015 hat Tansanias Präsident Dr. John Pombe Magufuli eine ehrgeizige Industrialisierungsagenda aufgestellt. Um die “Vision 2025” zu erreichen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben, konzentrierte er sich auf die nationale Industrieprodukte und darauf, ausländische Investoren für den Standort Tansania zu begeistern. Seitdem hat das Land wirtschaftlich einen großen Sprung nach vorne gemacht. Tansania gehörte zu insgesamt sieben Ländern, die von der Kategorie der am wenigsten entwickelten Länder in eine höhere Kategorie aufgestiegen sind.

Trotz der globalen COVID-19-Pandemie hat Tansania sein Ziel, zu einem Land mittleren Einkommens zu werden, fünf Jahre früher erreicht, als geplant. Nach den Angaben der Weltbank hat sich das BIP pro Kopf von 948 USD im Jahr 2015 auf 1.122 USD im Jahr 2019 verbessert. Kaufkraftbereinigt lag das BIP pro Kopf bei 2.771 USD im Jahr 2019. Das Gefälle des BIP pro Kopf zwischen ländlichen Regionen und Städten wie Dar es Salaam ist jedoch weiterhin sehr hoch.

Neuer Status hat Vorteile

Als Küstenland, das an acht Länder grenzt, von denen sechs fast oder vollständig vom Festland umschlossen sind, hat Tansania eine strategisch wichtige Lage, um zu einem regionalen Wirtschafts- und Transitknotenpunkt zu werden. Tansania baut diese Stellung kontinuierlich weiter aus, etwa durch die Anbindung von Ruanda an den Hafen von Dar es Salaam über die Schiene (siehe unseren Artikel Erste Eisenbahnstrecke zwischen Ruanda und Tansania im Bau). Zusätzlich ist Tansania mit reichen Vorkommen an erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Ressourcen ausgestattet, die auch den Nachbarstaaten zugutekommen.

Der Übergang Tansanias in die Kategorie eines Landes mit mittlerem Einkommen steigert auch die Kreditwürdigkeit des Landes und verbessert letztendlich Konditionen für die Darlehensaufnahme. Präsident Magufuli betont, dass nun die Aufgabe darin bestehe, die erreichten Erfolge auch in die Lebensrealität der Menschen zu übertragen, indem Gesundheits-, Bildungs-, Wasser- und Infrastrukturreformen weiter vorangetrieben werden.

Große Infrastrukturprojekte

Zu den Großprojekten des transformationsfreudigen Präsidenten Magufuli gehören der Bau des 2,9 Mrd. USD teuren Julius-Nyerere-Wasserkraftprojekts, dem viertgrößten Staudamms Afrikas, der Bau der ersten beiden Abschnitte der 3,0 Mrd. USD teuren Normalspurbahn (SGR), Ostafrikas längster Schnellzugspur, der Ausbau der Häfen von Dar es Salaam, Tanga und Mtwara sowie eine neue Flüssiggasanlage in Likong’o-Mchinga im Wert von über 30 Mrd. USD. Eine neue elektrische Eisenbahnlinie entstehet zudem zwischen Dar es Salaam und Dodoma, wo ein neuer internationaler Flughafen gebaut wird. Tansania arbeitet auch mit dem Nachbarland Uganda zusammen, um ein weiteres Großprojekt zu verwirklichen: den Bau der ostafrikanischen Rohölpipeline mit einem Projektvolumen von ca. 3,5 Mrd. USD.

Die Lücke schließen

Während andere Sektoren derzeit boomen, bleibt die Landwirtschaft Tansanias ein Schwachpunkt. Der Agrarsektor ist weitgehend unterentwickelt, bietet jedoch direkt eine Lebensgrundlage für 55% der Bevölkerung. Drei Viertel der armen Bevölkerung Tansanias lebt von der Landwirtschaft. 15 % der Bevölkerung ist indirekt über die Wertschöpfungskette mit dem landwirtschaftlichen Sektor verbunden, etwa als Händler, Transporteur und Verarbeiter. Jetzt, wo der verarbeitende Sektor boomt, wird Tansania daran arbeiten, die Lücke im agrarwirtschaftlichen Sektor zu schließen und dazu beitragen, auch das ländliche Tansania auf die nächste Stufe zu heben.

Diversifikation ist der Schlüssel

Das Land hat in den letzten fünf Jahren etwa 1 Mrd. USD an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) angezogen, die in den verarbeitenden Sektor geflossen sind. Aufgrund erheblicher Verbesserungen bei der Verarbeitung und der Lieferung von Waren in Länder wie Burundi, Ruanda, die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Sambia wurden die tansanischen Häfen zu einer relevanten Einnahmequelle. Infolge der Expansion in diesen Sektoren erlebten Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Bauwesen ein beeindruckendes Wachstum, das damit zusammenfiel, dass Dar Es Salaam zur größten Stadt in Ostafrika wurde.

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