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Afrikanischer Wirtschaftsausblick 2020

Die Afrikanische Entwicklungsbank hat den African Economic Outlook 2020 veröffentlicht. Wir fassen die Ergebnisse kurz für Sie zusammen.

Das Wachstum Afrikas: Leistung, Aussichten und Integrationsfähigkeit

Das Wirtschaftswachstum Afrikas hat sich stabilisiert. Seit 2014 hat sich das Wachstum Afrikas von einem dekadischen Durchschnitt von 5 % auf etwa 3 % verlangsamt. Im Jahr 2019 stabilisierte sich das Wachstum bei 3,4 %.

Die regionalen und länderspezifischen Unterschiede sind beträchtlich. Es gibt jedoch mehrere “Erfolgsgeschichten”. Im Jahr 2019 war Ostafrika die am schnellsten wachsende Region, und Nordafrika leistete weiterhin den größten Beitrag zum gesamten BIP-Wachstum Afrikas. Sechs afrikanische Länder gehören zu den 10 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt: Ruanda mit 8,7 %, Äthiopien mit 7,4 %, Côte d’Ivoire mit 7,4 %, Ghana mit 7,1 %, Tansania mit 6,8 % und Benin mit 6,7 %.

Die Wachstumstreiber verlagern sich allmählich in Richtung Investitionen und Nettoexporte und weg vom privaten Konsum. Im Jahr 2019 machen die Investitionsausgaben zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt einen größeren Anteil (mehr als die Hälfte) des BIP-Wachstums aus als der Konsum. Die Nettoexporte leisteten ebenfalls einen starken Beitrag, insbesondere bei den Rohstoffexporteuren, als sich die Ölpreise erholten. Auch die Inflation hat nachgelassen, ist aber nach wie vor hoch.

Afrikas langfristiges Wachstum wird hauptsächlich durch die Akkumulation von Sachkapital angetrieben, aber das Humankapital spielt eine wichtige ergänzende Rolle. Die Wachstumszerlegung zeigt, dass die Anlagekapitalbildung der Hauptantrieb für die steigende Arbeitsproduktivität auf dem Kontinent ist. Die Entwicklung des Humankapitals hat die größte Wirkung, wenn sie mit hohen Sachkapitalinvestitionen kombiniert wird.

Etwa ein Drittel der afrikanischen Länder hat ein integratives Wachstum erreicht. In Ländern mit besseren Bildungsergebnissen und höheren Raten des Strukturwandels ist es wahrscheinlicher, dass ein inklusives Wachstum erreicht wird. Länder mit einer aktiven Politik zur Verringerung der Ungleichheit haben bessere Aussichten, die extreme Armut bis 2030 stärker zu reduzieren.

Bildung und Qualifikation

Afrika hinkt in den Bereichen Bildung und Qualifikationsentwicklung immer noch hinter anderen Entwicklungsregionen hinterher. Die meisten afrikanischen Länder weisen auf allen Einkommensebenen ein quantitativ und qualitativ niedrigeres Bildungsniveau auf. Es gibt für viele afrikanische Länder einen beträchtlichen Spielraum, um höhere Bildungsergebnisse zu erzielen.

Der Beitrag der Bildung zur Steigerung des Arbeitsproduktivitätswachstums auf der Makroebene ist in Afrika wegen der schwachen Komplementarität zwischen Humankapital und Sachkapital begrenzt. Investitionen in die Qualität der Bildung können die Produktivität afrikanischer Arbeitnehmer und Unternehmen steigern.
Fertigkeiten und Qualifikationen werden auf Afrikas Arbeitsmärkten nicht ausreichend genutzt. Nahezu die Hälfte der erwerbstätigen Jugendlichen empfindet ihre Fähigkeiten als unvereinbar mit ihrer Arbeit, während etwa zwei Drittel der Jugendlichen eine unzureichende Ausbildung haben.

Die Verbesserung der grundlegenden Alphabetisierung ist ebenso wichtig wie der Ausbau der Hochschulbildung, um die wirtschaftliche Komplexität zu erhöhen und Afrika besser in die moderne wissensbasierte Wirtschaft zu integrieren. Die Ausdehnung des Produktraums und die Diversifizierung der Produktionskapazität des Kontinents erfordert eine Verbesserung der Grundfertigkeiten der Arbeitskräfte, einschließlich der Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse, und besser ausgebildete, hochqualifizierte Manager, um neue Märkte zu erschließen.

Neue Technologien bieten Afrika Chancen für Innovationen und Sprünge in der allgemeinen und beruflichen Bildung, und viele Länder, darunter Kenia, Südafrika und Uganda, sind Hotspots für Bildungsinnovationen.

Finanzierung von Bildung und Qualifikationsentwicklung

Afrikanische Länder geben im Durchschnitt 5 % ihres BIP für Bildung aus, was zu den höchsten in den Entwicklungsländern zählt. Dennoch sind die Ausgaben pro Student die niedrigsten der Welt. In den Jahren 2010-17 wendeten afrikanische Länder durchschnittlich 16 % des Staatshaushalts für Bildung auf, was dem UNESCO-Kriterium einer universellen Grundschulbildung entspricht.

Afrika ist jedoch am wenigsten effizient bei der Verwendung öffentlicher Ausgaben für Bildung. Wenn die Effizienz der Bildungsausgaben auf das Niveau der Schwellen- und Entwicklungsländer Asiens angehoben würde, könnte Afrika fast die universelle Grundschulbildung erreichen.

Investitionen sowohl in Bildung als auch in Infrastruktur werden sich stärker auszahlen als ausschließliche Investitionen in beides.

Auf die Haushalte entfällt etwa ein Drittel der gesamten Bildungsfinanzierung in Afrika, wobei die Heterogenität zwischen den Regionen und Ländern beträchtlich ist. Rücküberweisungen von internen und internationalen Migranten sind für viele Haushalte eine wichtige Quelle der Bildungsfinanzierung.

Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werden: https://www.afdb.org/en/documents/african-economic-outlook-2020.

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